Tragicommedia

Samstag, 22. Juni 2019 - 19:30 Uhr

Tragicommedia

oder: die Verrücktheit der Seele

Accentus austria

Thomas Wimmer – Leitung
Barbora Kabátková – Sopran

Ulli Engel, Elisabeth Wiesbauer, Johanna Dokalik – Barockviolinen
Peter Aigner, Ivan Becka – Barockviola
Jörg Zwicker - Barockcello
Thomas Wimmer – Violone
Michael Posch – Blockflöten
Erich Traxler – Cembalo
Klaus Haidl – Theorbe, Barockgitarre

„Witz und Waffen stimmen ein, Österreich soll glücklich seyn“ ist auf einer barocken Inschrift zu lesen.

Der auf den ersten Blick nette Ausspruch vereint jedoch bei näherer Betrachtung in nicht zu überbietender Kürze große Weltpolitik und persönliches Amüsement gleichermaßen wie das habsburgische Selbstverständnis und die Stellung des Kaisers im Weltengebäude. Nicht der Herrscher steht, wie Ludwig der XIV., im Mittelpunkt, nein, die österreichischen Kaiser des 17. und 18. Jahrhunderts sehen sich als Teil einer von Gott gewollten und darob alternativlosen Weltordnung, innerhalb derer der oberste weltliche Herr durch seine Tugenden (u.a. pietas-Gottesfurcht, clementia-Milde, iustitia-Gerechtigkeit, modestia-Bescheidenheit) Gott und dem Volke zu Diensten ist.

In dieses politisch-philosophische Konzept passte erstaunlicherweise jenes des Faschings (abgeleitet vom mittelhochdeutschen vast-schanc, das sich eigentlich auf den Trunk am letzten Abend vor der Fastenzeit bezieht) und die damit verbundene Idee der verkehrten Welt als fragwürdige Antithese zum Gottesstaat, der Civitas Dei, dar.

Das Gegensatzpaar Fasching versus Fastenzeit spiegelte somit nicht bloß das Spannungsfeld zwischen Freude und Leid des irdischen Lebens wider, sondern – und hier sind wir schon mitten im didaktischen Zugang des barocken Theaters angekommen – aus der Lächerlichkeit der vertauschten Rollen und der offensichtlichen Dysfunktion der verkehrten Welt, sollte auch und vor allem die staatliche Ordnung ihre notwendige Legitimation erfahren.