Musik der drei Kulturen Spaniens

Samstag, 23. Juni 2012 - 19:30 Uhr

Musik der drei Kulturen Spaniens

Accentus austria (Österreich)
Thomas Wimmer – Leitung

César Carazo – Tenor
Thomas Wimmer – Rebab, Viola da gamba
Christoph Urbanetz – Rebab, Viola da gamba
Michael Posch – Block-, Schilfflöten
Karim Othman Hassan – Oud
Reinhild Waldek – Spanische Harfe
David Mayoral – Perkussion
Wolfgang Reithofer – Perkussion

Das Jahr 711 bildete eine der entscheidenden Zäsuren in der spanischen Geschichte: Arabische Truppen überschritten von Nordafrika aus das Mittelmeer und dehnten in nur wenigen Jahrzehnten ihr Herrschaftsgebiet bis nach Südfrankreich aus. Neben den Christen und Arabern bildeten die anfänglich etwa 30.000 Juden, die mit den Mauren nach Spanien kamen, die dritte kulturelle Größe. Das Kalifat Cordoba bildete dabei das weithin bekannte Zentrum für Architektur, Astronomie, Mathematik, Dichtkunst, Philosophie und Musik und war lange Zeit Garant für ein nahezu ungestörtes Zusammenleben dreier unterschiedlicher Religionen bzw. Kulturen.

Spätestens ab dem 12. Jh. regte sich im Nordosten Spaniens massiver Widerstand seitens der christlichen Bevölkerung; die Mauren wurden zurückgedrängt, die Juden deportiert. König Alfons X. (genannt „der Weise“) beschäftigte im 13. Jahrhundert arabische Musiker an seinem Hof, Instrumente wurden übernommen oder einfach kopiert, und auch während der folgenden Jahrhunderte bildeten Volkslieder (in denen die Fremdelemente ja noch viel manifester sind) immer wieder die Ausgangsbasis für kunstvolle Kompositionen.

Nach 1492 betonte man im christlichen Spanien mehr und mehr den eigenen, nationalen Stil, der jedoch –- Ironie des Schicksals – all das hervorbrachte, was im „Unterbewusstsein“ der christlich-spanischen Kultur bereits seinen festen Platz gefunden hatte und dessen spezielles Kolorit eigentlich von den nunmehr für besiegt gehaltenen Andersgläubigen stammte. Die gesamte uns überlieferte Fülle von Villancicos, Romanzen, Madrigalen, ganz zu schweigen von geistlicher und Instrumentalmusik, greift immer wieder auf Themen aus der Volksmusik zurück oder baut sich aus volksliedhaften Themen auf.

Fasziniert von dem einzigartigen multikulturellen Nährboden Spaniens, der die gesamte Renaissancemusik des Landes befruchtete, war das Hauptanliegen des 1992 vom österreichischen Gambisten Thomas Wimmer gegründeten Ensembles Accentus austria von jeher die frühe Musik Spaniens.

Die Besetzung von Accentus austria ist variabel, richtet sich nach den jeweiligen Programmen und schwankt zwischen drei und siebzehn Musikern. Um eine möglichst tief gehende Interpretation von Vokalmusik zu erreichen, wird großer Wert darauf gelegt, dass Sänger stets in ihrer Muttersprache singen. Als Solisten werden aus diesem Grund ausschließlich spanische oder deutschsprachige Musiker engagiert.