Marais: Folies inédites!

Donnerstag, 13. Juni 2013 - 19:30 Uhr

Marais: Folies inédites!

Sylvia Abramovicz – Viola da Gamba
Jonathan Dunford – Viola da Gamba
Thomas Dunford – Theorbe

Marin Marais, geboren 1656 in Paris, ist einer der berühmtesten europäischen Komponisten seiner Zeit. Die Symbole und Erklärungen in seinen Manuskripten lassen deutlich einen für königliche Ohren gedachten Stil erkennen. Er war Schüler des damals besten Gambisten Monsieur de Sainte-Colombe, ist aber auch von Lully selber hoch geschätzt worden.

Zwischen 1686 und 1725 publizierte Marais fünf Bände mit Stücken für Viola da Gamba. Die Veröffentlichung der Basslinie im Jahr 1689, die seinen ersten Band begleitete, kennzeichnete eine Weltpremiere: eine Basslinie als Begleiter für die Instrumentalmusik, für Viola da Gamba und andere bisher als Soloinstrument gesehene Instrumente, wie die Laute oder das Cembalo. Diese Erscheinung ist also der Beginn einer neuen Ära für die instrumentale französische Musik: Ab jetzt kann jeder Solist begleitet werden.
In den siebziger Jahren des 17. Jahrhunderts lernte der junge Marais, immer noch Schützling von M. de Sainte-Colombe, in Paris einen anderen jungen Gambisten kennen, den schottischen Adeligen Harie Maule. Er vertraute ihm 150 handgeschriebene Stücke an. Harie Maule nahm sie vor 1685 nach Edinburgh mit. Fast zwei Drittel dieser Kompositionen erschienen 1686, 1701 und 1711 in den ersten drei Sammelwerken für Viola da Gamba.
Am Ende des 17. Jahrhunderts liebte man es zu improvisieren oder Basslinien für vormals solistisch gespielte Viola-da-Gamba-Stücke zu komponieren. Es ist nicht überraschend, dass das schottische Manuskript von Marais überhaupt keine Basslinie enthält, da sie höchstwahrscheinlich improvisiert war. Deswegen wurde eine rekonstruiert, ganz nach den damalige Verfahren.

Vor kurzem wurde Marais’ eigenhändig geschriebenes Testament gefunden, und wir können nun sicher sein, dass zwei der Manuskripte von Marais selbst geschrieben wurden: Es sind die zwei einzigen Exemplare seiner musikalischen Schrift. Diese Entdeckung wird anderen Musikwissenschaftlern ermöglichen, weitere Stücke, Notizen und Korrekturen von Marais zu identifizieren.

Diese Stücke sind auf keinen Fall «Skizzen» oder «Jugendwerke». Es sind richtige Meisterwerke, die genauso wie andere Stücke von Marais gehört zu werden verdienen. Sie finden sich unter jenen rund 100 Stücken, die später in den ersten drei Sammelwerken von Marais erschienen sind.