L’Apothéose

Dienstag, 14. Juni 2011 - 19:30 Uhr

L’Apothéose

D’où je conclus que les Français n’ont point de musique et n’en peuvent avoir, ou que, si jamais ils en ont une, ce sera tant pis pour eux.

… Daraus schließe ich, dass die Franzosen überhaupt keine Musik haben und sie niemals haben werden, und sollten sie jemals eine haben, wären sie zu bedauern. (Jean-Jacques Rousseau, 1753)

 

Am Hof des Sonnenkönigs Ludwig XIV. erlebten die Künste und nicht zuletzt die Musik in ihrer französischen Eigenheit eine Hochblüte. Jean-Baptiste Lully, der selbst ironischerweise aus Italien stammte, war ihr Protagonist. Sie war ins Hofzeremoniell des musikalisch hochinteressierten Louis XIV eingebunden, und Komponisten wie Lully, Marais, F. Couperin und andere waren zu hoher Produktivität verpflichtet und wurden entsprechend gefördert. Geprägt war die Musik durch Noblesse, Eleganz, Leichtigkeit, Charme, aber auch vornehm gewahrte Distanz.

Wie aufregend anders war hingegen die Entwicklung der italienischen Musik: Formal streng, hingegen harmonisch kühne, temperamentvolle, improvisativ üppig verzierte Sonaten und Konzerte eines Corelli – zu aufrührerisch für das Ancien Régime, überdies ungeeignet für das französische Hofzeremoniell. So konnten F. Couperin und andere diese Musik zu Lebzeiten von Louis XIV nur heimlich studieren.

Nach dem Tod des Sonnenkönigs im Jahre 1715 brach der vorher schwelende Konflikt zwischen den Anhängern des Goût français und jenen des Goût italien voll aus. Alles, was in der Musikwelt Rang und Namen hatte, musste sich jetzt zur einen oder anderen Richtung bekennen – oder aber einen Kompromiss, eine Synthese präsentieren.

 

Ungeachtet des frankreichintern immer wieder aufflammenden Streites um die „wahre Musik“ erfreute sich die von F. Couperin und Rameau eingeschlagene Richtung als „Französischer Stil“ im Hoch- und Spätbarock jenseits der Staatsgrenzen großer Beliebtheit, und J. S. Bach, Telemann u. v. a. fanden hier eine Quelle der Inspiration.