2012

Thomas Wimmer

Thomas Wimmer

Thomas Wimmer wurde 1961 in Österreich geboren und studierte Viola da gamba in Wien. Aus der Faszination am besonderen Nährboden, den das Zusammentreffen verschiedener Kulturen provoziert, gründete er im Jahre 1992 das Ensemble Accentus austria, mit dem er sich von Anfang an auf die Iberische und Österreichische Musik des 16. und 17. Jahrhunderts. konzentrierte.

César Carazo

César Carazo wurde in Badajoz (Spanien) geboren. Er begann seine musikalische Ausbildung auf der Violine am örtlichen Konservatorium. Ab 1985 studierte er Gesang an der „Escuela Superior de Madrid“ sowie Komposition und Kontrapunktik am „Conservatorio San Lorenzo del Escorial“. Er besuchte Meisterkurse mit Harry van der Kamp, Isabel Poulenard und Marius van Altena.

Junko Tsuchiya

Junko Tsuchiya ist in Tokio geboren und studierte am Kunitachi College of Music in Tokio, der Musikuniversität in Wien und bei Prof. Peter Feuchtwanger in London, wo sie den 2. Preis beim North London Music Festival gewann.
1993 bis 1997 begleitete sie Kammersängerin Gundula Janowitz. 1991 bis 1997 war sie Pianistin des Swietly-Klavier¬trios aus Wien, welches in Europa und Asien konzertierte.

Taner Türker

Taner Türker studierte Cello an der Musikhochschule in Ankara, am Konser¬vatorium in Lyon sowie am Konservatorium der Stadt Wien.

Er ist Solist, Kammer- und Orchestermusiker mit zahlreichen Konzerten im In- und Ausland (Konzerthaus Wien, Schloss Mirabell Salzburg, Gewandhaus Leipzig, Istanbul, Sofia ua.).

Lukas Thenius

Lukas Thenius wurde in Wien geboren und studierte Violine am Konservatorium der Stadt Wien. Er besuchte Meisterkurse beim Franz-Schubert-Quartett und beim Wiener Schubert-Trio. Als Kammermusiker hatte er Auftritte u.a. in Österreich, der Schweiz, Deutschland, Japan und in der Türkei und wirkte bei CD-Aufnahmen zeitgenössischer Kompositionen mit.

Samstag, 23. Juni 2012 - 19:30 Uhr

Musik der drei Kulturen Spaniens

Accentus Austria (Österreich)
Thomas Wimmer – Leitung

César Carazo – Tenor
Thomas Wimmer – Rebab, Viola da gamba
Christoph Urbanetz – Rebab, Viola da gamba
Michael Posch – Block-, Schilfflöten
Karim Othman Hassan – Oud
Reinhild Waldek – Spanische Harfe
David Mayoral – Perkussion
Wolfgang Reithofer – Perkussion

Das Jahr 711 bildete eine der entscheidenden Zäsuren in der spanischen Geschichte: Arabische Truppen überschritten von Nordafrika aus das Mittelmeer und dehnten in nur wenigen Jahrzehnten ihr Herrschaftsgebiet bis nach Südfrankreich aus. Neben den Christen und Arabern bildeten die anfänglich etwa 30.000 Juden, die mit den Mauren nach Spanien kamen, die dritte kulturelle Größe. Das Kalifat Cordoba bildete dabei das weithin bekannte Zentrum für Architektur, Astronomie, Mathematik, Dichtkunst, Philosophie und Musik und war lange Zeit Garant für ein nahezu ungestörtes Zusammenleben dreier unterschiedlicher Religionen bzw. Kulturen.

Spätestens ab dem 12. Jh. regte sich im Nordosten Spaniens massiver Widerstand seitens der christlichen Bevölkerung; die Mauren wurden zurückgedrängt, die Juden deportiert. König Alfons X. (genannt „der Weise“) beschäftigte im 13. Jahrhundert arabische Musiker an seinem Hof, Instrumente wurden übernommen oder einfach kopiert, und auch während der folgenden Jahrhunderte bildeten Volkslieder (in denen die Fremdelemente ja noch viel manifester sind) immer wieder die Ausgangsbasis für kunstvolle Kompositionen.

Nach 1492 betonte man im christlichen Spanien mehr und mehr den eigenen, nationalen Stil, der jedoch –- Ironie des Schicksals – all das hervorbrachte, was im „Unterbewusstsein“ der christlich-spanischen Kultur bereits seinen festen Platz gefunden hatte und dessen spezielles Kolorit eigentlich von den nunmehr für besiegt gehaltenen Andersgläubigen stammte. Die gesamte uns überlieferte Fülle von Villancicos, Romanzen, Madrigalen, ganz zu schweigen von geistlicher und Instrumentalmusik, greift immer wieder auf Themen aus der Volksmusik zurück oder baut sich aus volksliedhaften Themen auf.

Fasziniert von dem einzigartigen multikulturellen Nährboden Spaniens, der die gesamte Renaissancemusik des Landes befruchtete, war das Hauptanliegen des 1992 vom österreichischen Gambisten Thomas Wimmer gegründeten Ensembles Accentus austria von jeher die frühe Musik Spaniens.

Die Besetzung von Accentus austria ist variabel, richtet sich nach den jeweiligen Programmen und schwankt zwischen drei und siebzehn Musikern. Um eine möglichst tief gehende Interpretation von Vokalmusik zu erreichen, wird großer Wert darauf gelegt, dass Sänger stets in ihrer Muttersprache singen. Als Solisten werden aus diesem Grund ausschließlich spanische oder deutschsprachige Musiker engagiert.

 

Jahr: 
Freitag, 22. Juni 2012 - 19:30 Uhr

El mundo hispánico

Raquel Andueza – Sopran (Spanien)
Pierre Pitzl – Barockgitarre (Österreich)

Musik aus der spanischen Welt

Spanische Sprache und Kultur waren im 17. Jahrhundert überall auf dem Globus anzutreffen. Mit den Missionaren kam spanische Musik in die Kolonien Südamerikas. Spanische Komponisten suchten dort ihr Glück, machten Bekanntschaft mit fremden Kulturen und ließen dies in ihre Werke einfließen. Umgekehrt begannen einheimische Musiker sich den fremden Stil anzueignen, manchmal verwoben mit eigenen Elementen. Ein besonderer spanischer Exportartikel war die Gitarre.

Neapel stand lange Zeit unter dem Einfluss der spanischen Herrschaft und Kultur. Mit der Gitarre kamen spanische Tänze wie Ciacona, Sarabanda, Passacaglia und andere, die, von italienischen Komponisten enthusiastisch aufgegriffen und erweitert, bald ihren Siegeszug durch Europa antraten.

In der Mitte des 17. Jahrhunderts war das Spanische auch in Frankreich Mode. Die wilde Sarabanda zum Beispiel wurde von den jungen Leuten gerne getanzt und immer wieder von der kirchlichen Autorität verboten – wiewohl umsonst.

Pierre Pitzl lernte im Anschluss an sein Gitarrestudium Laute und Viola da Gamba. Seit einigen Jahren ist er auch als Solist und Begleiter auf der Barockgitarre tätig. Mit ihm tritt die Spanierin Raquel Andueza auf, die neben ihren solistischen Auftritten in verschiedenen Ensembles mitwirkt und sich auf die Interpretation von italienischer Musik des 17. Jahrhunderts spezialisiert hat.

Jahr: 
Donnerstag, 21. Juni 2012 - 19:30 Uhr

Dalla porta d'oriente

Ronald Bergmayr – Traversflöte, Ney
Lukas Thenius, Auturja Trio – Violine
Taner Türker, Auturja Trio – Violoncello
Junko Tsuchiya, Auturja Trio – Cembalo

Europa und die Osmanen

Im 16. und 17. Jahrhundert war die Auseinandersetzung Europas mit den Osmanen vor allem eine kriegerische. Die Janitscharenmusik, mit der die türkischen Heere in die Schlachten zogen, war daher in der Wahrnehmung der meisten Europäer der Inbegriff der osmanischen Musik und wurde als „alla turca“ von vielen Komponisten als Stilmittel eingesetzt.

Weitgehend unbekannt blieb dagegen die reiche osmanische Kunstmusik, basierend auf arabischen und persischen Elementen mit byzantinischen und jüdischen Einflüssen. Deren wichtigstes Zentrum war die großherrliche Musikschule im Sultanspalast in Konstantinopel, daneben wurde in zahlreichen Klöstern eigenständige Sakralmusik komponiert und gepflegt. Insbesondere für das Gebetsritual der „drehenden Derwische“ des Mevlevi-Ordens war und ist Musik zentraler Bestandteil.

Ronald Bergmayr und das trio auturja stellen in ihrem Programm die osmanische Kunstmusik und deren Rezeption im europäischen Barock zwei zeitgenössischen Werken gegenüber. Der in der Türkei geborene Kremser Taner Türker und der St. Pöltner Weltmusiker Helmut Scherner zeigen in ihren Kompositionen ihre persönliche Reflexion der osmanischen und europäischen Barockmusik.

Auf dem Programm dieses Konzerts stehen Werke von:

Dilhayat Kalfa, Nayî Osman Dede, Ali Beg Ufqi
Anton Andreas Schmelzer, Johann Joseph Fux, Marin Marais
Taner Türker (UA), Helmut Scherner (UA)

Jahr: 
Sonntag, 17. Juni 2012 - 19:30 Uhr

Nebel

Ensemble Mikado & Die Strottern (Österreich)

Was haben das Wienerlied und die Alte Musik gemeinsam? Auf den ersten Blick wenig. Doch nach genauerer Durchsicht der historischen und auch sozialen Hintergründe der Musik beider Genres erkennt man, dass die grundlegenden Fragen nach den Wurzeln ganz ähnlich gelagert sind.

In der Ausarbeitung des gemeinsamen Programms von Ensemble Mikado und den Strottern fiel besonderes Augenmerk auf die überaus reizvolle Kombination von schlichtem Liedgut und kunstvoller Polyphonie, die gerade durch die vielfältigen Arrangement- und Besetzungsmöglichkeiten beim Zusammentreffen beider Ensembles vollends zur Entfaltung gelangt.

Auch das Wiener Lied greift unverkennbar auf das Volkstümliche und Ursprüngliche zurück. Es reicht weit über das schlichte „Straßenlied“ hinaus und findet schließlich textlich wie musikalisch Einzug in die Hochkultur, wie sich an der Entwicklung des Kunstlieds von Franz Schubert oder auch an der Operette, des Varietés oder des Kabaretts erkennen lässt. Die Frage nach den Wurzeln des Wiener Liedes wird mit Blick auf die Vermischung unterschiedlicher kultureller Einflüsse im „Schmelztiegel Wien“ zunehmend vielschichtiger.

Die Strottern und Ensemble Mikado stellen hoch spannende Klangexperimente und eine intensive Suche nach dem jeweils Eigenen an und damit auch nach dem Eigenen im Fremden (oder entsprechend dem Fremden im Eigenen), um es im Zusammenklang mit dem Anderen zu kontrastieren – oder auch zu verlieren.

 

In Zusammenarbeit mit der Musikfabrik

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