René Clemencic

Ist Komponist, Dirigent, Flöten- und Clavichordvirtuose, Cembalist und Organist, Leiter und Gründer eines weltbekannten Ensembles für Alte Musik (Clemencic Consort), Musikwissenschaftler und Schriftsteller, gelernter Philosoph sowie Sammler von emblematischen Büchern und Skulpturen.

Philosophie und Musikwissenschaft studierte René Clemencic an der Pariser Sorbonne, dem Collège de France sowie an der Universität in Wien, wo er 1956 mit der Dissertation „Sein und Bewußtsein bei Louis Lavelle“ den Doktorgrad erlangte.

Gleichzeitig studierte er Musik – Blockflöte und Cembalo in Wien, Holland und Berlin, Musikalische Formenlehre bei Erwin Ratz, Musiktheorie beim Schönbergfreund und –schüler Josef Polnauer, und J. M. Hauers Zwölftonlehre bei Johannes Schwieger.

Seit 1957 tritt René Clemencic als Blockflötist und Leiter des eigenen Ensembles international in Erscheinung. Seit 1966 Betreuung des „Musica Antiqua“-Zyklus der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (in dessen Rahmen er mit seinem Ensemble 148 Programme vom Mittelalter bis zum Barock vorstellte), seit Herbst 2005 eigener „Clemencic Consort“-Zyklus im Musikverein.

Zahlreiche szenische und konzertante Aufführungen des mittelalterlichen Mysterienspiels „Ludus Danielis“, von barocken weltlichen sowie Kirchenopern bzw. „Sepolcri“ in Österreich, Italien, Deutschland, Schweiz, Belgien, Spanien, Portugal. Am Théâtre des Champs-Elysées in Paris wurden im Jahr 1990 fünf verschiedene Barockopern zT szenisch realisiert. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Präsentation sakraler Meisterwerke der Polyphonie des Mittelalters und der Renaissance.

In den letzten Jahren hat René Clemencic in der Clavichord-Konzertserie „Unbekannte Meisterwerke der Renaissance“ 21 Programme präsentiert und mehrere CDs davon eingespielt.

Weit über 100 Schallplatten und CDs erschienen mit ihm als Solist und als Leiter / Dirigent des Clemencic Consort und anderer Ensembles bzw. Orchester. Er gab Konzerte in allen Kontinenten und erhielt zahlreiche internationale Preise wie Edison, Grand Prix du Disque, Diapason d’Or, Prix Cecilia und andere mehr. Im Jahr 1989 erhielt der Künstler die Goldene Ehrenmedaille der Stadt Wien, 1996 den Berufstitel Professor, 1997 den Preis „Anima Mundi“ der Biennale d’Arte Sacra di Venezia wie auch den Preis der Stadt Wien.

In seinen Kompositionen geht es Clemencic in erster Linie um Klangsymbolik, nicht primär um Ästhetisches. „Ich versuche in meinen Werken Klänge und Klangkomplexe als akustische Zeichen und Chiffren für Weltstrukturen bzw. innere Erlebnisse und Erfahrungen einzusetzen. Klang und Klanggeste sollen als solche in ihrer ursprünglichen Magie wirken. Es geht mir nicht so sehr um die Herstellung eines Opus, Artefactes im üblichen Sinne, sondern vielmehr um das Enthüllen einer gewissen verborgenen Semantik des Klanglichen.“

Seine kompositorische Laufbahn begann René Clemencic 1968 mit der Uraufführung seines Werkes „Maraviglia III - Iter exstaticum“ (1968) beim Forum Alpbach. Es folgten Aufführungen seiner Werke u.a. in London, Nancy, beim Festival de Wallonie, Festival d’Evreux, Breslauer Festival für Avantgardemusik, Adelaide Festival, am Oberlin College / USA, bei den Leningrader Festspielen für zeitgenössische Musik, an der Scala / Milano, bei der Menuhin Academy in Blonay, in Salzburg, Palermo, beim Carinthischen Sommer, in Budapest, New York und Jerusalem.

Sein Oratorium „Kabbala“ in hebräischer Sprache wurde 1992 beim Mittelfest in Cividale del Friuli uraufgeführt; die österreichische Erstaufführung 1994 im Wiener Odeon im Rahmen der Woche Jüdischer Kultur wurde mit Jubel und Ovationen bedacht, ebenso die britische Erstaufführung 1996. Im Rahmen des Wiener Klangbogen 1993 wurde die Ballettpantomime „Drachenkampf“ szenisch erfolgreich realisiert. Die Uraufführung der „Apokalypsis“ im Großen Musikvereinssaal in Wien im Jahr 1996, ein Auftragswerk des Wiener Musikvereins, wurde mit hymnischen Kritiken bedacht. Das 1998 im Rahmen des Festivals „Hörgänge“ uraufgeführte Klaviertrio „Jeruschalajim“ wurde u.a. vom Altenberg Trio Wien als „wertvolle Bereicherung der Klaviertrio-Literatur“ bezeichnet. 1999 erfolgte die Uraufführung des Oratoriums „Reise nach Ninive“ ebenfalls im Rahmen der „Hörgänge“. Im Mai 2000 wurde das „Concerto per „Archi“ in Caserta und Neapel uraufgeführt.

Die Uraufführung seiner Komposition „Stabat Mater“ fand in Todi (Umbrien) Ende Juli 2001 statt. „Der Berg“ – Kammeroper nach einem Text von Konrad Bayer erlebte seine Uraufführung beim Carinthischen Sommer im August 2003.

Weitere Kompositionen der letzten Jahre sind: „Der Schlüssel zum Paradies“ (Kantate für Sopran, Violine und Klavier), das 2. Klaviertrio „Das Haus“, „Lamentationes Jeremiae Prophetae“ und die Operelle „Monduntergang“ (sirene operntheater Wien, UA 2007 Innsbruck, danach Wien).

Gegenwärtig Arbeit an der Komposition einer Oper „Daniel“ in hebräischer und aramäischer Sprache (Bibel / Buch Daniel), sowie einer Kurzoper nach einer Episode aus „Nachts unter der steinernen Brücke“ / Leo Perutz (sirene operntheater Wien, Frühjahr 2009). 

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