Editorial

Mag. Caroline Berchotteau MAS

Liebes Publikum,

die zwölfte Auflage des Barockfestivals St. Pölten verheißt viele schöne Überraschungen, denn einmal mehr bewegt sich das Programm nicht nur in der Kernzone der Barockmusik, sondern auch jenseits ihrer Grenzen 
musikalisch ebenso wie in der Verknüpfung mit Tanz, Film oder einem Gesangsworkshop. 

Selbst die Religion kommt zu Wort (Stichwort: Reformation), wir erfahren weiters, was ein Trumscheit ist und werfen ein Schlaglicht auf den Instrumentenbau. 

Zur Eröffnung des Barockfestivals 2017 begrüßen wir am 10. Juni in der Franziskanerkirche neben dem Tuba- und Serpentspieler Michel Godard auch Linda Bsiri, Sängerin mit bezaubernde Stimme und Tromba-Marina-Spielerin, und den unvergleichlichen Lee Santana, US-amerikanischerLautenist und Wegbegleiter von Hille Perl. Das eindrucksvolle Trio widmet sich der femina sacra: Die alten Göttinnen werden geweckt!

Linda Bsiri istauch eine hervorragende Pädagogin und wird am 8. und 9. Juni einen Stimmworkshop mit St. Pöltner Schülern leiten.

Die musikalischen Grenzen sprengen wir mit drei ganz speziellen Konzerten: Das österreichische Ensemble Les Accords extraordinaires hat für uns denspanischen Flamencotänzer Elias Morales Perez eingeladen.

Uns erwartet eine Fiesta Espanola auf dem Steinboden der Ehemaligen Synagoge; lassen Sie sich das nicht entgehen! 

Am 22. Juni begrüßen wir ein Duo, außergewöhnlich und beispiellos:Star-Akkordeonist Jean-Louis Matinier, der bereits 2016 Dominique Vissehier begleitete, wird mit dem aus Italien stammenden virtuosen Nyckelharpa-Spieler Marco Ambrosinizur Gast sein. Das Programm Inventioverspricht einen von musikalischen Kraftlinien durchsetzten Event, den Sie so schnell nicht vergessen werden.

Unsere Kooperation mit dem tschechischen Festival Concentus Moraviae
trägt dieses Jahr besonders reiche Frucht: Das Ensemble Soqqad​ro
Italiano mit dem Ausnahmesänger Vincenzo Capezzuto stellt sein Programm „From Monteverdi to Mina“ vor. Der Abend führt uns durch 400JahreMusik, von Monteverdi bis zum Pop der 60er-Jahre mit Mina Mazzini – einfach überwältigend!

St. Pölten ist im Jänner 2017 als 78stes Mitglied in das Netzwerk europäischer Reformationsstädte aufgenommen geworden und darf nun den gesetzlich geschützten Titel „ReformationsstadtEuropas“führen. UnserBeitragzum500-Jahr-Jubiläum: zwei Konzerte rund um Bach und Luther und ein Wirtshaus-Konzert – mit Musikern aus St. Pölten! 

Teil 1 von „Bach meets Luther“ findet am 11. Juni in der evangelischen Kirche mit der capella incognita und dem Ensemble Sonocto unter der Leitung von Marcus Hufnagl statt; Teil 2 bestreiten Domchor und Domorchester unter der Leitung von Otto Kargl am 18. Juni im Dom. 

Dazwischen, am 15. Juni, laden die Tandler in das Wirtshaus VinzenzPauli, wo sie ein Programm rund um Reformation und Gegenreformation präsentieren, eingebettet in Wirtshausmusik der letzten vierhundert Jahreundliterarische Fundstücke gemäß dem Motto:

Alles außer akademisch!

Traditionell ist das Barockfestival St. Pölten auch eine Plattform für junge Ensembles. Zeitgeist nennen sich die vielversprechenden jungen Musiker aus Graz, die uns am 17. Juni in der Synagoge spüren lassen werden, was Neugier und Entdeckerfreude bewegen können.  

Schließlich stehen noch zwei spezielle Veranstaltungen auf dem Plan: 

Nach zwei Jahren Pause sind wir am 11. Juni wieder im Cinema Paradiso.

Ab 10 Uhr gibt’s Frühstück, um 11 Uhr zeigen wir einen kurzen Film über den talentierten oberösterreichischen Cembalobauer Martin Pühringer,
den wir vor einigen Monaten gedreht haben. Pühringer wird persönlich anwesend sein und Fragen beantworten. Um 12 Uhr spielen wir den belgischen Film „Das brandneue Testament“ mit Benoît Poelvoorde, der keinen Geringeren als Gott spielt – kein blasphemisches Machwerk, sondern eine intelligent-vergnüglich-skurrile Komödie.

Am 23. Juni, in Zusammenarbeit mit Orgel Plus und der Vinothek Haydn, findet im Dom die Veranstaltung „Orgel plus Wein“ mit Ludwig Lusser statt;ich selber werde als Sprecherin auftreten. 

Ich schließe voll der Zuversicht, dass wir uns im Juni bei der einen oderanderen Veranstaltung des Festivals sehen werden. Wer die Programme der vergangenen Jahre geschätzt hat, dem verheiße ich viel Vergnügen auch beim Barockfestival 2017

Herzlichst

Unterschrift Mag. Caroline Berchotteau MAS

Caroline Berchotteau
Künstlerische Leitung