Karlheinz Essl

Karlheinz Essl wurde am 15. August 1960 in Wien geboren, absolvierte eine Ausbildung zum Chemie-Ingenieur, ehe er an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien Tonsatz bei Alfred Uhl, Kontrabass bei Heinrich Schneikart, Komposition bei Friedrich Cerha und Elektroakustische Musik bei Dieter Kaufmann studierte. Das Studium der Musikwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Wien schloß er 1989 mit der Dissertation „Das Synthese-Denken bei Anton Webern“ ab. Schon früh beschäftigte sich der Komponist durch seine Mitwirkung als Kontrabassist bei verschiedenen Kammermusik- und experimentellen Jazz-Ensembles mit improvisierter bzw. nur teilweise fixierter Musik. Weitere künstlerische Studiengebiete waren und sind die Musik des Mittelalters und der Renaissance. 


Bereits früh stellte Essl den Begriff des Komponisten als autonomer Urheber und die traditionelle Aufführungspraxis als Reproduktion von Präfixiertem in Frage. Untersuchung über die Fomalisierbarkeit musikalischer Prozesse – gemeinsam mit Gerhard Eckel – und die Auseinandersetzung mit seriellen Denkansätzen führte über einen engen Kontakt zu Gottfried Michael Koenig („Instituut voor Sonologie“ in Utrecht / Den Haag) schließlich zur Entwicklung von Software-Environments für „Computer Aided Composition“ und der „Realtime Composition Library for Max“ für algorithmische Komposition in Echtzeit (begonnen am  1992 am IRCAM in Paris). Seit 1996 entwickelt Essl das computer-basierte Software-Instrument m@ze°2, das er in seinen Musikperformances und Improvisationsprojekten einsetzt.

Die künstlerische Begegnung mit Performern, zeitgenössischen Autoren, bildenden KünstlerInnen und Architekten hat Essls Begriff von einer zeitgemäßen Musik jenseits traditionsgebundener Realisationsmuster in die Tat umgesetzt (u.a. Zusammenarbeit mit dem „Sprayer von Zürich“ Harald Naegeli für Partikel-Bewegungen (1991), Andreas Okopenko für Lexikon Sonate (1992 ff.), der Architektin Carmen Wiederin für Klanglabyrinth  (1992–1995), der Videokünstlerin Vibeke Sørensen für MindShipMind (1997), sowie mit ChoreographInnen während des Sixth Composers and Choreographers Exchange in der „Royal Festival Hall – Hayward Gallery“ in London (1998). 

Zwischen 1990 und 1994 war Essl „Composer in Residence“ bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik. Neben seiner Lehrtätigkeit am „Studio for Advanced Music & Media Technology“ der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz (1995-2006) betreut er als Musikintendant der Sammlung Essl Konzertreihen mit Neuer, experimenteller und improvisierter Musik. Lehraufträge und Vorträge führten ihn u.a. an (Musik)Universitäten in Wien, Graz, Toronto, Osnabrück, Kopenhagen, Prag, Köln, Florida, Groningen, Düsseldorf, Essen sowie nach Bern, Zürich und Basel.  Seit 2007 bekleidet er eine Professur für elektroakustische Komposition und experimentelle Musik an der Wiener Musikuniversität.

Kompositionsaufträge erhielt Essl u.a. von Wiener Konzerthaus, ORF-Kunstradio, Musikprotokoll (Graz), IRCAM (Paris), Mürztaler Werkstatt, Salzburger Festspiele, dem Festival Wien Modern sowie von Ensembles wie Klangforum Wien, Ensemble Recherche (Freiburg), Trio accanto (Freiburg), Champ d’action (Antwerpen), Ensemble „die reihe“ (Wien), Radio Symphonieorchester Wien, Studio Percussion graz, Orpheus Trio (Wien), Elision Ensemble (Brisbane). Für seine kompositorische Tätigkeit wurde er u.a. mit dem Adolf-Schärf-Preis der Stadt Wien (1988) und dem Würdigungspreis des Landes Niederösterreich für Musik (2004) ausgezeichnet.

www.essl.at

(Fassung aus dem Komponistenlexikon KDG (Autor: Christian Baier)

 

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