Editorial

Mag. Caroline Berchotteau MAS

Liebes Publikum,

ich freue mich ganz besonders, das neue Programm des Barockfestivals St. Pölten vorstellen zu dürfen.

Im Laufe der letzten Jahre ist es mir immer ein Anliegen gewesen, in der Programmation neue Wege zu erkunden. Die Künstler, die nach St. Pölten reisen, kommen aus aller Welt und sind sehr oft in mehr als einer Musikgattung beheimatet: neben Barock auch Jazz, Volksmusik, elektronische Musik, zeitgenössische Musik, … In Zeiten, da allerorten Grenzen gezogen werden, die wir schon überwunden gewähnt haben, ist es eine Wohltat, dass sich wenigstens die Musik, ein universales Merkmal der Menschheit, über stilistische und geografische Grenzen hinweg frei bewegen kann, Sprachbarrieren überwindet und Verbindungen knüpft, die die Politik nicht zuwege bringt.

Als ersten Gast begrüßen wir heuer den belgischen Ausnahmetenor Stephan Van Dyck, der zusammen mit dem österreichischen Stargambisten Pierre Pitzl und dessen Ensemble Private Musicke diese Saison am 11. Juni eröffnen wird: vier Viole da Gamba, eine Theorbe und eine Stimme für ein meisterhaftes Klangerlebnis!

Jérôme Correas, internationaler Dirigent, ehemaliges Mitglied von Les Arts Florissants und renommierter Cembalist, und Les Paladins machen Halt bei uns für zwei Konzerte: ein pädagogisches Konzert, zu dem Schüler aus St. Pölten eingeladen sind, und einen Tag später spielt das Ensemble die Vier Jahreszeiten, aber nicht von Vivaldi, sondern von Marc-Antoine Charpentier, ein profanes Werk basierend auf sakralen Themen, vier Motetten, deren Virtuosität und theatralische Effekte überwältigen!

In Kooperation mit Orgel Plus laden wir dieses Jahr den Organisten Jan van de Laar aus Norwegen ein – ein Bach- und Schumann-Programm für echte Liebhaber!

Ein weiterer besonderer Abend verspricht der 18. Juni zu werden: ein unerwartetes Duo, zwei Instrumente, die man sich kaum zusammen vorstellen kann – und dennoch: Das Ergebnis ist umwerfend und verblüffend! „Bach Plucked Unplucked“ ist das magische Treffen der international gefragten Cembalistin Violaine Cochard und des unvergleichlichen Jazz-Pianisten Edouard Ferlet.

Der junge Theorbist Bruno Helstroffer ist ein echtes Phänomen! Als Interpret von den wichtigsten Ensembles gefragt, hat er schon an mehr als 30 Aufnahmen mitgewirkt, er ist aber auch bei Blues, Jazz, Rock, Pop, Theater und Poesie zu Hause; ein einzigartiger Künstler, der uns am 23. Juni ein Rezital der Sonderklasse bescheren wird.

Einen Tag später wird er zwei Künstler von Weltrang begleiten: Wir haben die große Ehre, Kontratenor Dominique Visse in St. Pölten willkommen heißen zu dürfen. Der andere ist der aus der Jazzszene stammende Star-Akkordeonist Jean-Louis Matinier: wieder eine unerwartete Besetzung, die Unerwartetes verheißt.

Der prächtige Abschluss wird mit 45 Stimmen und dem jungen Saxofonisten Michael Krenn unter der Leitung von Johannes Hiemetsberger stattfinden: Der Chorus Sine Nomine, der sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht hat, der für Qualität und Experimentierfreudigkeit steht, lässt ein Miserere erklingen, das bis zur Trance führt! Nicht verpassen!

 

Unterschrift Mag. Caroline Berchotteau MAS

Caroline Berchotteau
Künstlerische Leitung