Editorial

Mag. Caroline Berchotteau MASLiebes Publikum,

als ich den Stift fallen ließ und das Programm des Barockfestivals Sankt Pölten 2010 betrachtete, empfand ich, neben jenem Maß an gesundem Selbstzweifel, durch den kontinuierliche Qualität erst möglich wird, entspannte Zufriedenheit und gleichzeitig eine glückliche Ungeduld in Erwartung kommender musikalischer Genüsse. Ich freue mich ganz besonders, Ihnen ein inspiriertes Gefüge von Programmpunkten offerieren zu können, darunter so mancher „coups de cœur“, sprich Glücksgriff, der auch Ihr Herz höher schlagen lassen wird.

Unter dem Motto „Perspektiven“ werden wir dieses Jahr von Barockmeistern wie auch von zeitgenössischen Interpreten bearbeitete Transkriptionen in den Mittelpunkt des Festivalgeschehens rücken. Mit diesem Leitbegriff wollen wir einen fundamentalen und vielschichtigen Aspekt der Barockmusik erschließen und sie in eine neue Lesart überführen. Transkriptionen, ganz gleich ob von eigenen oder fremden Werken, setzen aus der Vorlage gefilterte Elemente neu zusammen, und dabei entsteht ein eigenständiges Stück. Im Rahmen der „Perspektiven“ werden wir den Fokus auch auf die Jahresregenten Pergolesi, Scarlatti und natürlich Bach legen.

PraeBachtorius – Scarlatti goes Electro – Musik aus Luft und Draht – Harpsichord, The King of Orchestra – Bach in Italien – Bach recycles:

Sechs Konzerte an sechs verschiedenen Aufführungsorten bilden den arrivierten Kern des Festivals, durchsetzt von einem Vormittags-Schülerkonzert sowie zwei Konzerten mit Nachwuchstalenten in der ehemaligen Synagoge und in der Kirche der „Congregatio Jesu“ (Englische Fräulein), den Ausklang schafft ein fulminantes Abschlusskonzert mit dem Ensemble La Fenice unter Jean Tubéry, und schließlich gewährt eine Ausstellung im Sommerrefektorium des Doms Einblick in Geschichte und Entwicklung des Claviorganums – gewissermaßen als Hinführung zum bereits erwähnten Konzert „Musik aus Luft und Draht“.

Ich wünsche Ihnen schöne, spannende und berührende musikalische Momente beim Barockfestival Sankt Pölten 2010.

Herzlichst,

Unterschrift Mag. Caroline Berchotteau MAS

Caroline Berchotteau
Künstlerische Leitung